
Was wir Heute über Pferde wissen:
Wie ist es, ein Pferd zu sein?
Um Pferdehaltung zeitgemäß neu zu gestalten, müssen wir uns fragen:
*Es fließen auch Bewertungen subjektiver Erfahrungen mit ein, zu welchen es noch keine ausreichenden Studien gibt.
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Friedliebend
Ressourcen Harmonisten
Dauerfresser
Passiv Aufwärmer
Streit um Heu, ist nicht natürlich!
Pferde sind Ressourcen-Harmonisten. Die Pferde-Veranlagung kennt es nicht, knappe Ressourcen auf zu teilen. Weil Graß überall ist!
Dadurch entsteht Stress, sobald Pferde sich Ressourcen wie z.B eine Heuraufe, teilen müssen. Ihre Veranlagung kennt keine "normale" Lösung für dieses nicht "normale" Problem. Wölfen beispielsweise, haben hierfür eine Veranlagung.
Pferde wärmen sich nicht aktiv auf. Im Gegensatz zu vielen anderen Tieren.
Als Lauftiere würden sie durch kontinuierliche Bewegung und kurze Ruhezyklen, normalerweise dauerhaft warm bleiben. Daher fehlt ihnen ein aktives Aufwärm-Verhalten. (z.B gezieltes Schütteln oder strecken wie bei Hunden)
Sin Pferde entgegen ihrer Natur abgekühlt, können bei zu plötzlicher Bewegung schwere Verletzungen die Folge sein. Da sie kein Verhalten haben, das sie davor schützt.
Magen und Verdauungstrakt des Pferdes sind dafür geschaffen, (niemals!) leer zu sein.
Pferde "kleben" an der Heuraufe, wenn es nur an diesem einen Ort Heu gibt. In der Natur ist Fressen mit Bewegung verbunden, und Pferde müssen sich nicht zwischen Beidem entscheiden.
Gewalt ist unter Pferden nicht normal.
Auch für "ranghohe" Pferde, bedeutet aggressives Verhalten IMMER Stress.
Bei verwilderten Hauspferden oder in optimaler Gruppenhaltung, wird Gewalt kaum beobachtet. Meist nur unter Junghengsten, und auch dort ehr in "ritualisierter" Form.
Dominanz basiert auf Erfahrung und Sicherheit. "Wer die meiste Sicherheit und Erfahrung vermittelt, dem folge ich."
Es gibt nichts gesünderes, als kontinuierliche Schrittbewegung.
Als Lauftiere sind Pferde darauf ausgelegt. Ist die Haltung optimal, bewegen sich auch sehr aktive Pferde die meiste Zeit nur im Schritt.
Verwilderte Hauspferde bewegen sich zwischen Ruheplätzen, Weideflächen, Wasserstellen und Witterungsgeschützen Bereichen. Und nutzen hierbei meist die selben Pfade.
Lauftier

Aber Pferde sind ganz anders als wird - das führt oft zu Missverständnissen.
Die wir nicht bemerken.
JEDER von uns, geht von sich selbst als Mensch aus - wir kennen es schließlich NUR SO.
Ja - Sager
Leise Botschafter
Intervallschläfer
Herdentiere
Menschen: Ein Wesen ist leise und unauffällig - wir interpretieren ganz unterbewusst: Es geht ihm wohl ganz gut!
Pferde: sind Fluchttiere - und drücken Unmut nicht durch Laute aus! Und kaum durch auffälliges Verhalten. Sie sind leise und unauffällig - sogar wenn sie leiden.
Hunde beispielsweise, zeigen es hingegen (oft) ähnlich wie wir, wenn sie etwas stört. Durch Laute und Auffälligkeit.
Menschen: Räume sind gemütlich und bedeuten Sicherheit.
Pferde: Für ein Pferd bedeuten andere Pferde Sicherheit. Das geschlossene Räume Schutz bieten würden, ist Pferden nicht klar. In der funktionierenden Gruppe schlafen Pferde im liegen, während ein Pferd Wache hält.
Menschen: Die Meisten schlafen am Stück.
Pferde: Sind Intervallschläfer. Sie schlafen Nachts UND Tags. In sehr kurzen Intervallen. Zusammengezählt nur 4 bis 5 von 24 Stunden. Die Nacht ist für ein Pferd sehr lang.
Pferde erreichen den wichtige REM-Schlaf nur im liegen! Im Stehen ist nur traumloser Schlaf möglich.
Menschen: Die meisten von uns sagen es, wenn ihnen etwas nicht gefällt!
Pferde: Als Fluchttiere sind sie sich ihrer Stärke und Kraft kaum bewusst. Und machen sogar Dinge, die sie eigentlich nicht mögen. Solange sie lernen, dass sie dadurch sicher sind.
Witterungs-Experten
Menschen: "Bei diesem Wetter, möchte ich den ganzen Tag drin bleiben!"
Für Pferde fühlt sich Witterung ganz anders an, als für uns.
Pferde möchten in ihrem eigenen Rhythmus zwischen dem Draußen sein - bei Bedarf auch eingedeckt - und dem Schutzsuchen vor Witterung, wählen. Das regelmäßige Aufsuchen von Wettergeschützen Bereichen, gehört fest zu ihrem Tages- und Nachtablauf.

Heutige Haltungsformen sind sehr alt. Oder eine versuchte Verbesserung des Alten.
Sie entstanden NICHT auf Grundlage der Equiden-Forschung!
Meistens fehlt es noch an Alternativen. Trotzdem sollten wir uns fragen:
Wie würden wir Pferdehaltung HEUTE gestalten?






Freier Tages- und Nachtablauf
Pferde sollten ein Leben haben dürfen - so wie WIR selbst!
Für Pferde bedeutet das, ihren Tag und ihre Nacht frei nach ihrem natürlichen Rhythmus gestalten zu dürfen.
Sicherheit
Die Haltungsform darf keine unnatürlichen Situationen schaffen. Die Stress und - als Lösungsversuch -Gewalt bewirken.
Merkmal, dass alles stimmt:
Alle Pferde schlafen ganz entspannt im Liegen.
Auch am Heu wird mit sanfter Körpersprache kommuniziert.
Es gibt keine Verletzungen.








Kontinuierliche Schrittbewegung




Möglichst weit entfernte Funktionsbereiche und viele entfernte Fressplätze, ermöglichen einen Bewegungs-Rhythmus nach dem Verhaltens-Vorbild verwilderter Hauspferde.
Durch das Anlegen von Laufwegen kann auch auf kleinstem Raum viel Platz geschaffen werden.








Sozialkontakt
Für Pferde bedeutet das Zusammensein mit vertrauten Artgenossen Sicherheit und Wohlbefinden.
Ein Pferd sollte mit mind. einem Artgenossen zusammen leben dürfen. Ihr sehr komplexes Sozialverhalten, ist nur ohne Trennwand oder Koppelzaun wirklich möglich.






Flexibilität
Selten gibt es Pferde die sich durch ungünstige Gruppenhaltung unnatürliches Lösungsverhalten stark angewöhnt haben.
Solches Verhalten kann sich bei jedem neuen Pferd zeigen. Dann sollte man die Möglichkeit haben, es sofort wieder aus der Gruppe zu nehmen. Und z.B mit einem passenden Pferd in einer Kleingruppe zu halten.




Offenheit
Jeder Funktionsbereich (Heustationen, Paddock oder Laufwege, Liegehalle) sollte dauerhaft zugänglich sein. Alles Andere kann für Unbehagen oder Stress sorgen.
Wir würden es auch nicht mögen, wenn Zimmer unseres Hauses manchmal abgeschlossen wären!




Keine erzwungenen Fresspausen
Nicht fressen zu dürfen, löst bei Dauerfressern Unbehagen aus.
Wie lange ein Pferd fressen sollte, hat NICHTS mit seinem Energiebedarf zu tun.
24h Raufutterverfügung ist für die körperliche und mentale Gesundheit am optimalsten - Über individuell zum jeweiligen Pferd passende Slow Feeder.
Slowfeeder sollten idealerweise die tiefe Kopfhaltung und das Rupfen beim Grasen nachbilden. Hier fehlt es noch an mehr Konzepten.
Pferd Übergewichtig? - Mit passendem SlowFeeder können Pferde sogar abnehmen! (Mehr dazu unter "Häufige Probleme")








Naturnahe Gruppen
Bei der Beobachtung verwilderter Hauspferde, zeigen sich faszinierende Verhaltensweisen. Die bei einem Großteil der Pferde beobachtet werden.
Hengste leben in Junggesellen-Hengstgruppen die aus verschiedenen Familien zusammen finden. Die Junghengste unterstütze dabei den Leithengst, eine Stutengruppe von sich zu überzeugen, den Althengst zu vertreiben - und dadurch die Junggesellen-Gruppe zu verlassen. Danach steigt der nächste Junggeselle zu dieser Position auf.
Stuten leben in Stuten-Familiengruppen, die meist von einer Leitstute geführt werden. Und mit meist nur einem Hengst, der häufig wechselt. Er übernimmt eine völlig andere Aufgabe, als die Leitstute. Als Wächter bleibt er bei Gefahr hinter der Gruppe, und sorgt für ihren Schutz. Junghengste der Stuten-Familie, verlassen die Gruppe, wenn sie älter sind. Nur die Stuten bleiben in der Familie - das verhindert Inzucht.
Reine Stuten- oder Wallach/Hengst Gruppen, sind daher ideal.
Gemischte Gruppen sollten nur gehalten werden, wenn es gut überlegt ist und alles trotzdem harmonisch bleibt.






Keine knappen Ressourcen
Liegeflächen, Heustationen, Platz: Es sollte keine Ressourcen geben, die knapp sind!
Überdachte Liegebereiche sollten möglichst weit entfernt von Heu oder Wasser sein. Und bequem eingestreut werden. Da es reine Ruhebereiche sind, ist der Arbeitsaufwand trotz Einstreu gering!
Liegehalle = WC? (Nur durch diese häufigen Fehler. Mehr dazu unter "Häufige Probleme")
Die ganze Gruppe sollte sich im überdachten Bereich ganz entspannt hinlegen! können. Er sollte je nach Gruppengröße mind. zwei Eingänge oder eine große Öffnung haben.
Auch Draußen sollte es keine Engstellen ohne genug Ausweichplatz geben.
Heustationen sollten so verteilt sein, dass es mehr Fressplätze gibt, als Pferde in der Gruppe.



Ist optimale Haltung nur ein
Wunschtraum?
Bisher oft leider ja! Aber das können wir ändern!
Jeder Stall kann optimiert werden, ohne Kapital. Man braucht nur:
Wissen, Willen und etwas Zeit und Energie

Pferde haben uns tausende Jahre gedient. Und zu dem gemacht, was wir sind.
Es wird Zeit, uns bei Ihnen zu bedanken.
Uns wie ist es nun, ein Pferd zu sein?
Wir werden es wohl nie ganz wissen. Aber wir sollten unsere Fähigkeiten als Menschen nutzen, um für sie zu lernen.


